Etwas "richtig" machen kontra "rumknorzen"

Renate von Brevern, Reflexionen im Sannungsfeld: etwas "richtig" machen kontra "rumknorzen" anhand von Arbeiten mit dem Bildbearbeitungsprogramm "The Gimp".

vor ungefähr 3 Jahren hatte ich angefangen meine Bilder mit dem opensource Programm "The gimp" zu bearbeiten. Ich hatte keine Ahnung von Bildbearbeitungsprogrammen und auch keine Hilfsmittel, also das Hilfeprogramm wurde nie geladen. Die meisten der angebotenen Funktionen konnte ich nicht begreifen, ich hatte keinen Plan was es überhaupt bedeuten könnte. Und ich hatte auch keine Lust sie langwierig zu erforschern,um die Ergebnisse dann bis zum nächsten Bild wieder zu vergessen, ich hielt es nicht für möglich es überhaupt lernen zu können.
Und vorallem, ich wollte sofort ein Ergebnis!

Um das für mich in meinem Kopf klar zu machen hatte ich den Standpunkt eingenommen, "dass ich das was ich nicht konnte ja gar nicht will". zumal ich ziemlich schnell einen ganz interessanten persönlichen Stil aus dem wenigen was mir zugänglich war, entwickeln konnte.

Dann hatte mich jemand überredet eine aktuelle Gimpversion zu laden, und erst mal ging dann fast gar nichts mehr. Gleichzeitig gab es verschiedene Aufgaben, die ohne das Arbeiten mit den Ebenen nicht mehr zu machen waren. Daraus hat sich ein umfassendes Verständnis für viele Funktionen ergeben.

Leider mit dem "richtig machen" ging mein recht sympatischer Style verloren. Das hat all diese Überlegungen zu richtig machen kontra knorzen ausgelöst hat.

Wenn man etwas kann, weil man es quasi auf Vorrat, um es "irgendwann anzuwenden gelernt hat, ist es so wie alle es machen es unterscheidet sich nicht mehr.

Das ist mir nicht zum ersten mal passiert. Ich habe oft Sachen aus Ungeduld, Unlust oder einfach aus Faulheit nicht richtig gelernt. Und da ich es unbedingt machen wollte ganz unglaubliche Um- und Auswege gefunden. Die Entwicklung dieser Umwege war in jedem Fall immer wesentlich zeitaufwendiger, arbeitsintensiver und anstrengender als etwas erst zu lernen und es dann bei Bedarf anzuwenden.
Aber ich muss sagen für eine solche Art von Vorrat lernen kann ich nicht genügend Energie aufbringen, weil mir die Motivation, etwas wirklich, wirklich zu wollen fehlt.
Dazu kommt, dass ich mit meine Umwegen und Verweigerungen immer Spass hatte und gut verdient habe.

Allerding quält mich die Frage ob das "Interessante, Ungewöhnliche" immer aus Mangel und Ufähigkeit entsteht? Beobachtungen in der Natur haben zu ähnlichen Ergebnissen geführt, es heisst da auch "Mangel gebirt viele Blüten, zumindest bei den "Magerpflanzen"

ES erschüttert es mich ziemlich, dass die herausragenden "Arbeitsergebnisse" meines Lebens auf Mangel und Unkenntnis beruhen. Keine Frage die Ergebnisse sind wirklich gut und teilwerise herausragend, z.B. die Arbeitsergebisse des Projektes Cocktail stehen in vielen internationalen Museen und meine Gartengestaltungen werden von Profis bewundert.

Trotzdem bin ich unsicher wie ich das Ganze sehen soll.

Das hessische Dialektwort "rumknorzen" ist ungefähr gleichbedeutend mit dem in den 70ern eingeführten Wort "ganzheitlich"